
Es ist Zeit mal wieder ein paar Zeilen zu schreiben,...
...Dienstag ist immer mein freier Tag und ich sitze bei mir im Wohnzimmer. Den einen freien Tag den jeder Mitarbeiter hier pro Woche bekommt gilt es zu pflegen und das Beste aus den 24 Stunden zu machen die einem zur Verfügung stehen (7 Stunden gehen allein schon fürs Schlafen drauf). Was kann man hier an seinem freien Tag machen? In die Stadt fahren ist eine Option. Das bedeutet aber Anreisezeit, viel Lärm, schlechte Luft und viel Geld ausgeben. Das sind alles Dinge die nicht unbedingt dafür sprechen in die Stadt zu fahren. Spaß macht es eigentlich nur wenn das Wetter gut ist und man Gesellschaft hat. Da wir Mitarbeiter natürlich nie gemeinsam unsere freien Tage haben fällt der Gesellschaftsaspekt auch weg. Es gibt aber auch Ausnahmen, letzten Dienstag war ich mit Igor, Prabhu (beide aus Mexico), Bachiter und mir (beide aus Hessen) in der Stadt für einen halben Tag. Das war spannend und unterhaltsam. Bachiter ist gerade erst hier an der Schule angekommen und er ist, was wir einen Sevadar nennen (freiwilliger Mitarbeiter). Er wollte sich unbedingt Turbanmaterial kaufen, das war auch so ziemlich unser erster Stopp. Turbanstofflaeden gibt es in der Fülle auf diesem Planeten wohl nur in Amritsar. Der Turban ist für die Sikhs ihr ganzer Stolz. Aber was dem Ganzen noch ein Sahnhäubchen aufsetzt ist wenn ein weißer Ausländer in einen Turbanladen kommt, sich für Material interessiert und obendrein noch das Personal fragt ob sie ihm einen Turban wickeln können. Das hat Bachiter auch gleich alles getan und sich damit in die Herzen der Verkäufer geschmeichelt. Der Turban sah nahezu perfekt aus und da Bachiter einen gestutzten Bart hat sah er genauso aus wie tausend andere junge Männer in Amritsar. Übrigens möchte ich hier anmerken das Bachiter aus Frankfurt kommt, in Darmstadt geboren ist und sogar mal in der Waldstrasse in Mülheim/Treysa gelebt hat. Was es mit diesen Orten auf sich hat? Ich hab mal 8 Jahre in Darmstadt gelebt und einen Freund in der Waldstrasse in Muelhiem/Treysa gehabt. Wir haben auch gleich erstmal unsere Badesalzkenntnisse aufgefrischt und ich muss sagen er kennt sich aus ☺ Zurueck zu unserem Ausflug: Nach dem Turbanladen ging es weiter durch die Gassen die hier in Amritsar als Hallbazar bekannt sind, dort gibt es den besten Lassi (suesser Yoghurtdrink) der Stadt und so manche andere Spezialität. Bis hin zum Stoffmarkt sind wir geschlendert, da jeder von uns das ein oder andere Material kaufen oder zumindest ausfindig machen musste. Ich habe Material für meine Wohnzimmerdecke gekauft. Das Material hab ich unserer Schneiderin gegeben und sie hat es der Fläche in meinem Wohnzimmer angepasst. Der Schreiner (der auch gleichzeitig alle Bohrarbeiten macht) hat mir vier Haken in die Decke geschraubt und fertig war die Wohnungsverschönerung. Nach dem Stoffmarkt sind wir tief in die Altstadt eingetaucht in Gassen in denen keine zwei Fahrradrickshaws aneinander vorbeikommen. Dort ist ein Geschäft an dem nächsten und man fragt sich jedes Mal wie diese Geschäfte nur über die Runden kommen. Letztendlich sind wir dann genau am Goldenen Tempel wieder rausgekommen und haben dort noch eine halbe Stunde verbracht. Von dort haben wir uns dann mit eine Motorrickshaw wieder über das Meer aus unzähligen Schlaglöchern zurück zur Schule schaukeln lassen. Dort angekommen treiben einen eigentlich nur zwei Gedanken, erstens eine Dusche und zweitens so viel Ruhe zu finden wie möglich, da einem die Ohren von all dem Lärm in der Stadt summen. Nun habt ihr eine Idee was man hier an seinem freien Tag alles so machen kann und was ich heute sicherlich nicht machen werde. Vielleicht werde ich bis zum Supermarkt fahren aber mehr ist denke ich auch nicht drin. Ansonsten werde ich wohl eine Runde Joggen gehen und heute Abend habe ich noch Tablaunterricht. Das ist auch noch eine interessante Neuerung die es Wert ist erwähnt zu werden, ich habe angefangen Tablaunterricht zu nehmen. Was ist Tabla? Asiatische Kampfkunst? Ein uralter Kalligraphiestil? Ein neues Programmiersystem fürs Internet? Oder eine einheimischer Dialekt? Stimmt alles nicht! Tabla ist eins der klassischen Instrumente der Indischen Musik. Das bekannteste klassische, indische Instrument bei uns im Westen ist wohl die Sitar. Wer sich darunter nichts vorstellen kann der höre sich bitte mal „Norwegian Wood“ von den Beatles an. Die Tabla ist das typische Rhythmusinstrument die eigentlich immer mit dabei ist (Die Beatles haben auch die Tabla in einem ihrer Songs und zwar auf dem Sgt. Pepper Album, „Within you without you“, hört mal rein wenn ihr es da habt). Sie besteht aus zwei Trommeln, die auf dem Boden stehen und vor denen man im Schneidersitz sitzt. Es ist eine sehr filigrane Trommel für die man, um sie korrekt spielen zu können, seine Finger erstmal gut trainieren muss. Vielleicht bringe ich eine mit nach Deutschland wenn ich im Sommer komme, dann könnt ihr euch selber ein Bild machen. Da fällt mir noch ein Bild ein, das seit meinem letzten Besuch in der Stadt in meinem Geist haften geblieben ist. Stellt euch ein kleiner Transporter vor wie man ihn hier und da in Deutschland auf den Strassen sieht, mit offener Ladefläche und einer Zweimann Fahrerkabinen. Natürlich haben wir in Deutschland ein maximales Ladegewicht aber hier in Indien, keine Spur von Ladebegrenzung. Da haben doch tatsächlich einige Menschen sich gedacht mal eben drei schwere Eisenbahnwagenachsen auf den armen Laster zu Laden. Das wäre in Deutschland ein klarer Fall für den Schwertransport, hier genügt ein Kleinlaster. Dafür lag der Laster aber auch mit gebrochener Hinterachse am Straßenrand als ich ihn gesehen habe. Ist eben nicht so gut wenn das Ladegewicht schwerer ist als der Laster selber ☺
Danke fürs Lesen und bis demnächst...
Hari Arti